Auf dem Weg zum Elite-Halbwissen.July 5th, 2007
Es hätte doch alles so schön sein (bleiben) können: Nach der sinnlosen Podiumsdiskussion vor einigen Wochen und der im Anschluss alle unsere Fragen beantwortenden Kurzinformation im Studiengang Biologie hatte das Rätseln ein Ende, nur gaaanz spezifische Detailfragen blieben noch außen vor. Trotzdem fühlten wir uns jetzt nicht mehr von der Umstellung auf Bachelor/Master überfahren; man konnte wieder zum gewohnten Organisieren des Stundenplans zurückkehren.
Irgendjemand in diesem Bioturm scheint jedoch kampfeslustig zu sein. Donnerstagmittag, Informationsveranstaltung Ba/Ma die dritte. Heißt: Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich um … Stunden – äh nein, die nachfolgenden Veranstaltungen sollten Sie schonmal streichen. Und vielleicht einen Schokoriegel und das Sauerstoffspray einstecken, damit die eintretende Hypotonie umgehend behandelt werden kann.
Ich gehe jetzt garnicht mehr in die Details, die da die Runde durch den Hörsaal machten. (Sowieso- wieso heißt das eigentlich Hörsaal und nicht “Setzen Sie sich ganz vorne in die ersten Reihen um etwas zu verstehen”-Saal??) Diese “Informationsveranstaltungen” erinnern mich zweifelsohne an die zu Schulzeiten stattfindenden Klassenversammlungen, die innerhalb weniger, ruhiger Sekunden zu einem Debakel ausarteten weil jeder meinte, irgendwie irgendwo seinen Senf zugeben zu müssen, gerne auch zu Themen die auf dem besagten Treffen nichts zu suchen haben. Am schönsten während des Bühnendramas ist immer der Teil hervorzuheben, an dem allseitiger Widerspruch herrscht, weil Person A ‘c’ gehört hat und Person B ‘f’, Autoritätsperson C aber doch gerade den ganzen Saal von der neuen Regelung ‘k’ überzeugt hat. Woraufhin Autoritätsperson D sich dann schulterzuckend aus der Affäre zieht. Ach ist das herrlich. Dabei waren wir doch gekommen, um etwas festzustellen, und nicht in Frage!
In Anbetracht des Bachelors erhält das professionelle Halbwissen eine völlig neue Bedeutung. Im Glauben, eine neue, fähigere Elite heranzuzüchten lässt sich das Uni-tum nicht vom Gegenteil überzeugen, dass der neue Abschluss die Revolution der akademischen Lehre bedeutet. Bezogen auf die angehenden Studenten, die schon von Klasse Fünf an den Unterrichtsstoff vorarbeiteten, in der Elf noch Hausaufgaben machten und bereits in den Sommerferien zur Zwölf begannen, für das Abitur zu lernen, mag ich das ja auch garnicht bezweifeln. Der Haken an der Sache ist nur, dass sich schon zu meiner Zeit, als die Bedrängnis zur Zukunftsplanung immer furchterregender wurde, kaum 1% unter den Oberstufenschülern fand, die genau diesen straffen Plan befolgten. Doch ich befürchte, dass es genau das braucht, um ein Bachelor-Studium zu überleben. Alternativ reicht auch Hochbegabung in allen geforderten Bereichen.
Denn bei all den vermeintlich positiven Seiten gibt es einfach noch zuviele Kollisionen im Curriculum, die in Zweifel ziehen, ob das angeblich verzögerungsfreie Studium tatsächlich möglich ist. Zudem würde ich einfach gerne mal wissen, welchen Bildungsstand ein Biologie-Bachelor-Absolvent genau hat. Ich bin noch etwas skeptisch, wie man jemanden mit einem Haufen “Einführungsvorlesungen” und ein bisschen Soft-Skills, viel Laborpraxis und wenig Vertiefung, im Prinzip mit einem zerpflückten halben Diplom für einen biologisch qualitativen Beruf qualifizieren will. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.
Was mich persönlich betrifft kann ich nur die Trumpf-Karte ausspielen: Weil das parallele Anbieten von Diplom- und Bachelor- Veranstaltungen eine strategisch und finanziell unlösbare Aufgabe ist, werde ich, werden wir Diplomer ein komplettes Masterstudium zu den Bedingungen der Diplomprüfungsordnung bekommen. Soll heißen: In Ruhe zu Ende studieren (weil Übergangszeit), in Ruhe Auslandssemester absolvieren (weil wir die Zeit dafür haben) und ebenso sorgenfrei den selben Wissensstand wie die Master-Leute anhäufen, denn: Wir werden alle dieselben Kurse besuchen, und da Äquivalenzveranstaltungen zum Teil gestrichen werden besuchen wir auch die neuen, mit Informationen vollgepackten “Einführungsveranstaltungen” – nur dass wir am Ende des Semesters keine Credit Points vorweisen müssen.
Ich weiß nicht was es da noch zu überlegen gibt…Achja: Wer meint er ist dem Bachelor gewachsen, der soll ihn antreten. Im Prinzip sind alle Zukunftsaussichten ja nur vage Annahmen. Lasst uns in genau drei Jahren noch einmal darüber sprechen, wenn sich der erste Bachelor-Absolvent für eine Stelle bewirbt. Niemand kann sagen was sich bis dahin alles geändert hat.
Denn:
“Wir ändern morgen, wir ändern heut, wir ändern wütend und erfreut.
Wir ändern, ohne zu verzagen, an allen sieben Wochentagen.
Wir ändern teils aus purer Lust, mit Vorsatz teils, teils unbewusst.
Wir ändern gut und auch bedingt, weil ändern immer Arbeit bringt.
Wir ändern resigniert und still, wie jeder es so haben will.
Die Alten ändern und die Jungen, wir ändern selbst die Änderungen.
Wir ändern, was man ändern kann, und stehen dabei unsern Mann.
Und ist der Plan auch gut gelungen, bestimmt verträgt er Änderungen.
Wir ändern deshalb früh und spät alles, was zu ändern geht.
Wir ändern heut’ und jederzeit, zum Denken bleibt Uns wenig Zeit.
(Änderungen vorbehalten )”
(ja, der musste jetzt ran 😉 )
July 5th, 2007
20:15 | 