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AND HER DANCING AND HER LAUGHING.

Leise rieselt der…Staub? oder: das Bild von der Zukunft.February 3rd, 2007

Ich brauche hier nicht mehr aufzuführen, was Klimawandel bedeutet. Ich brauche wohl auch keinem mehr zu erzählen, wie wichtig es ist, dass jeder tagtäglich dazu beiträgt, die Natur und ihre Ressourcen bewusst zu benutzen und so gut es geht zu erhalten.

Was mich seit Beginn der Diskussion am meisten interessiert, sind nicht die einzeln zusammengewürfelten Fakten: die schrecken noch nicht genug. Der Mensch ist einfach gestrickt, und es ist wahr: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Es müsste sich mal jemand die Mühe machen, ein Bild der Zukunft zu entwerfen. So wie bei Google Earth, in 3D, mit virtuellen Landschaften, der Arktis und Antarktis, mit einer Stadt und Häusern. Nicht alle haben den Film “Day after tomorrow” gesehen, und es wurden oft Stimmen laut, er sei zu übertrieben dargestellt. Traurige Reaktion auf die Wahrheit. “An inconvenient truth” ist die richtige Bezeichnung für diese Debatte um die Zukunft unsereres Planeten, denn sie bezeichnet die Haltung vieler Menschen, allen voran amerikanischen Politikern oder deutschen Autoherstellern, die sich nicht an die Emissionsrichtlinien halten und die zum Beispiel die serienmäßige Einführung eines Wasserstoff- oder Hybrid- Autos für futuristisch halten.
Aber das behaupten sie nur, weil diese Art der Zukunft nicht in ihr Bild passt, inconvenient, unbequem eben. Keine leichte Kost, nicht leicht zu schlucken. Etwas, mit dem man sich beschäftigen, darüber nachdenken und Auswege und Alternativen finden muss. Etwas, das einen erst den Kragen kosten kann, und dann den Job, das Konzept, die Kunden, und damit potentielle Käufer. Sonderbar finde ich da nur die Reaktion von unserer Bundeskanzlerin Frau Merkel, die sich für die Automobilindustrie ganz schön ins Zeug wirft.

In einem aktuellen Geo-Online-Artikel wird in wenigen Sätzen die Brisanz des Themas klar:

Und dass es noch wärmer wird, steht außer Frage. Denn das Klima ist träge, und ein Kohlendioxid-Molekül kann bis zu 200 Jahre in der Atmosphäre verweilen. Selbst wenn die Menschheit also ihren Kohlendioxid-Ausstoß sofort drastisch reduzieren sollte, wenn sie alle Autos stehen ließe, alle Öl-, Gas und Kohlekraftwerke abschaltete, jede Brandrodung unterließe – selbst bei solch einem völlig unrealistischen Szenario würde die Erwärmung noch ein paar Jahrzehnte weiter zunehmen, ehe sie schließlich zum Stillstand käme.

Aus Angst, den rechtzeitigen Ausstieg zu verpassen und die bestmöglichste Lösung nicht zu finden, bleiben eben viele Unternehmer (ja, und Politiker) bei ihrer alten Maxime. Die Bedrohung wirkt so groß, so erschlagend, so nah. Unternehmer sind ja auch keine Klimaforscher. Wetter, Umweltschutz und erneuerbare Ressourcen sind fachfremd, so etwas lernt man nicht auf der International Business School. Unwissenheit macht Angst, sogar mir, und ich bin bei weitem nicht fachfremd.

Die Fakten, die ich da oftmals aneinandergereiht auf den Webseiten lese, erschlagen sogar mich.
Unter “der Meeresspiegel steigt um soundsoviel Zentimeter” kann ich mir als Laie nichts vorstellen. Was bedeutet das genau? Bedeutet das den sofortigen Untergang aller Gegenden, die unter dem Meeresspiegel oder knapp darüber liegen? Wo werden wir dann leben, wo unsere Häuser bauen, wo arbeiten? Oder bezieht sich das auf die gesamten Ozeane, also auf eine wahnsinnig große Fläche, die keinerlei Auswirkungen auf das Leben an Land hat? Was wir brauchen sind Wissenschaftler, die einfach und sachlich die auf uns zukommende Veränderung beschreiben können, sodass sie jeder versteht. Und meiner Meinung Grafiker und Designer, die das ganze grafisch umsetzen und bildlich darstellen können. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Eine Animation macht all diese wissenschaftlichen Fakten begreifbar, sichtbar, nachvollziehbar.

Doch:

“Letzte Sicherheiten”, so Werner, “dass es genau so und nicht anders kommen muss, können auch wir nicht geben – was den Klimaschutz noch notwendiger macht, um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben.” Denn die Wechselwirkungen zwischen Weltklima auf der einen und Ökosystemen sowie menschlichen Aktivitäten auf der anderen Seite sind viel zu komplex, als dass sie sich mit Computerprogrammen eindeutig vorhersagen ließen.(geo.de)

Meiner Meinung nach wird in Punkto Umweltbildung noch nicht genug getan. Oder warum finde ich die Seite der EcoTopTen des BMBF und des BMELV erst durch Internetrecherche, statt über öffentliche Werbeplakate oder Spots im Fernsehen zu stolpern? Ratgeber sollten in allen öffentlichen Gebäuden ausliegen. Interessant auch die Seiten von Atmosfair, durch deren CO2-Rechner der Ausstoß während eines Linienfluges berechnet werden kann – umweltbewusst reisen eben. Tipps zur Senkung des CO2-Ausstoß beim Autofahren finden sich hier.

Ich bin dafür, dass in Supermärkten die Greenpeace-Fischführer über die bedrohten Arten ausliegen sollten, an Universitäten regelmäßig Tagungen und Seminare stattfinden sollten, die die angehenden Naturwissenschaftler und weiteres interessiertes Publikum auf den aktuellen Stand der Dinge bringt. Wir brauchen viel mehr Öffentlichkeitsarbeit, so etwas wie die Werbung für umweltfreundliche Glühbirnen von Philips ist erst der Anfang, reicht aber längst nicht. Zur Zeit muss ich mir die genannten Infos als User selbst mühsam zusammensuchen – verständlich: was wohl der Supermarkt dazu sagt, wenn sämtliche bedrohte Arten in der Tiefkühlbox nicht mehr gekauft werden?

Ich bin Studentin. Ich habe nur eine vage Ahnung von dem Wirtschaftsleben, das da draußen alles regelt. Die Philosophie und Politik im Kampf um Angebot und Nachfrage ist wahrlich eine fremde Welt und nicht so simpel, wie man sich gerne denkt. Wissen ist Macht. Wer weiß, welchen Schaden er in der Natur anrichtet, wird sich hüten, genau dieses zu tun. Oder aus Geldgier darüber hinwegsehen. Und da liegt das Problem: Umweltbildung und Weltwirtschaft, besonders im Bezug auf Automobilindustrie, Ressourcennutzung oder auch kommerziellen Fischfang scheinen schwer vereinbar. Und es stimmt.

Ich hatte die einmalige Gelegenheit, während meines FÖJ zweimal an der Planspiel-Simulation “Fishbanks” teilzunehmen. Darin stellt man genau diesen Wettbewerb nach. Einzelne Gruppen agieren als kommerzielle Fischfang-Unternehmen, deren Streben nach Gewinn genauso rücksichtslos wie im wahren Leben abläuft. Wir als Naturliebhaber kamen bald selbst in den Konflikt: Wenn wir die Fischbestände ruhen und sich erholen lassen, machen wir Verlust, Treibstoff und Schiffe können nicht weiter finanziert und Mitarbeiter, die ihre Familien ernähren, müssen entlassen werden. Ein wirklich grausiger Gedanke.

Die Moral des Planspiels war in einem erschreckenden Diagramm zum Abschluss dargestellt: Noch während wir unsere Fangflotten nur aufbauten und mehr Verlust als Gewinn einfuhren, stieg die Kurve des Fischartensterbens fast senkrecht an. Selbst wenn wir nach etwa fünf oder zehn “Spiel-” Jahren die Fischbestände sich hätten erholen lassen – es wäre für viele Arten bereits lange zu spät gewesen. Und damit kehren wir wieder zu meinem Standpunkt zurück: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Erlebt zu haben wie das Ganze abläuft und abschließend zu erkennen, wie aussichtslos es dennoch ist, ist unheimlich niederschmetternd.
Wenn man sich dann noch bewusst macht, dass durch das Artensterben der ganze Prozess in fünfzig bis hundert Jahren sowieso ein Ende finden wird, weil kein Fisch mehr da sein wird, der gefangen, verkauft und am Ende der Kette eine Familie ernähren kann…ja, dann fühlt man sich schon ein bisschen hilflos. Und ich selbst habe in meinem ganzen Leben noch nicht einen einzigen Fisch gefangen. Aber gegessen: eine Menge. Und an diesem Punkt braucht mir keiner zu erzählen, Aquakulturen seien die neue Zukunft.

Mich beunruhigt vor allem der Fakt, dass meine eigenen Kinder vermutlich keinen Schnee mehr kennenlernen werden, weil dann keiner mehr da sein wird. Wintersport? Das war einmal. Es wird keinen richtigen, kalten Winter mehr geben, wenn dann nur in weit abgelegenen Gebieten. Wer einmal die Faszination des Schnees erlebt hat, möchte ihn doch nicht mehr missen. Zum ersten Mal bin ich in einem Winter regelrecht erleichtert, wenn es kräftig schneit. Auch wenn das, was da unsere Welt in eine friedliche weiße Hülle taucht, zukünftig nur eine Illusion sein wird, die man sich jetzt noch aufrecht erhalten möchte.

Die Natur ist ein ökologisches Netzwerk…so langsam gewinnen wir einen schwachen Eindruck davon, was es bedeutet, wenn die Erdtemperatur um wenige Grad ansteigt. Alle ökologischen Prozesse, die auf diesem System aufgebaut haben, werden völlig aus dem Ruder geraten, kollabieren. Zeit zum Umdenken und Verändern bleibt den Pflanzen, Bäumen, den Eisbären, Fischen nämlich nicht. Wir sind an der Reihe, etwas zu tun, weil wir dafür auch verantwortlich sind.

Ich könnte noch endlos über dieses Thema schreiben…aber dann würde mir wohl keiner mehr zuhören.

Vorerst abschließend lässt sich sagen: Es gibt noch genug zu tun auf dem Weg in die Zukunft. Hoffen wir, dass wir den richtigen einschlagen und geradewegs darauf weitergehen. In diesem Fall ist eine kurze Pause unangebracht, und ein Zurück ein Fehler, den wir nicht mehr gutmachen können. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, aus der alten Bequemlichkeit herauszukommen. Ich kann mich jedoch nicht mit dem Gedanken anfreunden, irgendwann den Mars meine neue Heimat zu nennen.

Gefunden habe ich meine gewünschte 3D-Animation übrigens beim sonst auch immer sehr informativen ZDF Wissen&Entdecken .

Und noch eins in eigener Sache: Am Freitag war ich zum Einkauf in einem großen schwedischen Möbelhaus. Dort habe ich mir eine Orchidee mitgenommen. Und zwar die krummste, schiefgewachsenste die es gab. Denn die ist in Anbetracht der Massenproduktion noch einigermaßen “natürlich” gewachsen. Und das lässt sich auch auf nachhaltigen Umweltschutz übertragen: Die Alternative muss nicht unbedingt schlechter sein als das Original. Blume ist Blume. Sieht schön aus. Mit gutem Gewissen sogar noch schöner 🙂

Anmerkung: Diesen Beitrag habe ich bereits vor einem Monat verfasst, unwissend, dass der Klimabericht der IPCC heute veröffentlicht werden würde. Mit einem Seitenblick auf eine gerade stattfindende Automesse wurde im heutigen ZDF heute- Beitrag zu diesem Thema deutlich, dass das “Solar- und Windkraftland” Deutschland weiter zurückfällt.

Autokauf ist nach wie vor “Bauchsache” und unabhängig vom C02-Ausstoß der Autos. RWE, deren PR-Konzept ich schon während meines FÖJ’s kennen- und anzweifeln lernen konnte, baut gerade ein neues Braunkohle-Kraftwerk bei Köln, um ein altes zu ersetzen. Jedem wird klar sein, dass das nur Schönmalerei ist.

Es macht mich traurig, zu sehen, dass alle zusehen werden, wie unser Planet den Bach runtergeht. Auch hier scheint sich zu bewahrheiten, dass der Mensch nur glaubt was er sieht. Und weil der Normalbürger niemals das Gletscherschmelzen in der Arktis beobachten wird, vor allem aus dem Grund, weil die Zeit ihm vorauseilt, werden Politik und Wirtschaft wohl erst realisieren, was versäumt worden ist, wenn sie ein anderes Bild vor ihren Augen sehen: Das unseres neuen, ungewohnten und unzähmbaren Planeten.

imagepostFebruary 3rd, 2007 imagetime00:25

2 Kommentare

  1. coffee, the web and me. » Blog Archive » Klimawandel:

    […] Christianes Artikel beschäftigt sich zwar kritisch mit diesem akuten Thema und kratzt doch, wie so oft, eben nur die Oberfläche an. Anders ist es auch kaum möglich, denn wie sie völlig richtig weiter im Text erwähnt setzt bei den meisten Mitmenschen beim Erwähnen der Begriff Umweltschutz und Klimawandel zumindest nach einer bestimmten Zeit gähnende Langeweile ein. […]

  2. Seb:

    http://www.coffeethewebandme.com/2007/02/04/klimawandel/

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